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Die mediale Konstruktion des “Wutbürgers” durch DER SPIEGEL

Wutbürger. Dieses Wort umschreibt wohl am besten die Proteste der Stuttgart-21 Gegner. Oder etwa nicht? Schließlich ist es doch auch Wort des Jahres 2010 geworden! Und eine Plattform gibt es auch schon dazu!

Das Wort “Wutbürger” hat seine Geburt durch einen SPIEGEL-Artikel von Dirk Kurbjuweit über eben jene Proteste erhalten. Darin beschreibt er den durch Integrationsdebatten und S21-Proteste wütisierten Bürger: „Er [der Wutbürger] ist konservativ, wohlhabend und nicht mehr jung. Früher war er staatstragend.“ „Die Proteste gegen Stuttgart 21 werden von Bürgerlichen getragen, darunter CDU-Wähler und Rentner.“ „Die Wutbürger sind zum großen Teil ältere Menschen…“ (vgl. Kurbjuweit, 2010, S. 26-27)

Mittlerweile hat es dieses Wort schon in den alltäglichen Sprachgebrauch geschafft. So darf es nicht weiter wundern, dass auch der inflationäre Begriffsgebrauch um sich greift. Ich würde dies sogar als gezielte Setzung und Versuch der Etablierung eines neuen Begriffs seitens des SPIEGELS betrachten, denn schließlich wird an keiner Stelle versäumt, jede Gruppe, die sich politisch für eine Sache einsetzt, als “Wutbürger” zu bezeichnen. Damit wird sofort das Engagement für eine Sache in ein negatives, emotionsbehaftetes und quasi “triebgesteuertes” Licht gerückt Das geht sogar soweit, dass sogar die Bürger, die sich für ein Abwahlverfahren des Duisburger Oberbürgermeisters (der aufgrund der Love-Parade-Katastrophe mächtig unter Druck steht) einsetzen, als Wutbürger bezeichnet werden. Der Begriff scheint medial als Allzweckwaffe der Handhabung “unkontrollierbarer” Protestgruppen herhalten zu müssen.

Eine sozialpsychologische Betrachtung der Begriffsverwendung kommt zu dem Entschluss, “dass soziale Repräsentationen kollektiven Protests eine zentrale Rolle in der Legitimierung und Mobilisierung (bzw. Delegitimierung und Demobilisierung) spielen.” (vgl. Stürmer, 2011, S.16) Hier zeigt sich wieder die entscheidende Macht der Massenmedien bei der Deutung und Konstruktion von sozialen Phänomenen und der damit verbundenen Akzeptanz solcher Bewegungen in der breiten Bevölkerung.

Dazu lässt sich noch anfügen: “Bildhafte Begriffe wie „Wutbürger“, die Erklärungen vereinfachen, vergegenständlichen und in bereits vorhandenem Wissen verankern, sind im Kampf um die Deutungshoheit schlagkräftige Waffen.” (vgl. Stürmer, 2011, S.16)

Quellen/zum weiteren vertiefen:
Kurbjuweit, D. (2010). Der Wutbürger. Der Spiegel, 41, 26-27.
Stürmer, S. (2011): Soziale Repräsentationen von Bürgerprotesten: Der Wutbürger – soziale Realität, Feuilleton-Chimäre oder politischer Kampfbegriff? Politische Psychologie, Volume 1 (1), 9-18.

Hier gibt es übrigens die erste Ausgabe von “Politische Psychologie” als kostenloser Download.

Gegenöffentlichkeit?

DIE LINKE hat auf ihrem Programmparteitag im Oktober über ihr neues Programm beraten und beschlossen. U.a. wurde dafür von der BAG Netzpolitik ein Antrag zum Thema „Gleichheit und Freiheit im Netz“ eingereicht. Dazu ein wichtiges Zitat:

Das Internet kann als Plattform zur freien Selbstorganisation, zur Umgehung von Konzernzwängen und Meinungsmacht genutzt werden. Es ermöglicht allen, selbst kreativ zu werden und Gegenöffentlichkeiten zu schaffen. Wir unterstützen Nutzerinnen und Nutzer, denen es um die Freiheit geht, sich zu informieren und zu äußern.

Dieser explizte Hinweis auf die Unterstützung der Möglichkeit des Internets ist in erster Linie zu begrüßen. Dennoch störe ich mich an dem Begriff der “Gegenöffentlichkeit”.
Zunächst suggeriert der Begriff eine Negierung der sogenannten “Öffentlichkeit”. Dabei handelt es sich laut  Jürgen Gerhards (1998) um ein intermediäres Kommunikationssystem, „in dem Akteure über politische Themen im Horizont eines Publikums [...] kommunizieren.“ Das Produkt dieser öffentlichen Kommunikation stellt die öffentliche Meinung dar, also „die im Öffentlichkeitssystem kommunizierten Themen und Meinungen, die zu unterscheiden sind  von den aggregierten Individualmeinungen der Bürger.“ (vgl. Gerhards, 1998)

Der Begriff der “Gegenöffentlichkeit” ist nicht neu. Bereits die Reformationsschriften im 15. und 16. Jahrhundert können darunter gezählt werden. Dennoch erschließt sich aus dem Begriff nicht, “welche (alternative) ‘Öffentlichkeit’ sich ‘gegen’ welche (dominierende) ‘Öffentlichkeit’ entfaltet.” (vgl. Wimmer, 2007) Insbesondere durch die Neuen sozialen Bewegungen (z.B. Studentenbewegungen der 1968) etablierte sich der Begriff der Gegenöffentlichkeit, um einen Gegenbegriff gegenüber einer von Massenmedien und politischen Autoritäten manipulierten Öffentlichkeit (vgl. Stamm, 1988) zu konstruieren. Der Begriff der Gegenöffentlichkeit besitzt somit eine stark normative Ausrichtung.

Die Einführung des Internets mit seinen dezenalen Strukturen hat es Nutzern ermöglicht, eigene Ideen und Meinungen unkompliziert einer breiten Massen zugänglich zu machen (z.B. in Form von Blogs). Kann man hier von der Erhebung von Gegenöffentlichkeiten in eine andere Dimension sprechen? Ich würde sagen nur teilweise. Definitiv bedienen sich die soziale Bewegungen dieses Informationskanals, um ihr Publikum zu erreichen. Dennoch gibt es nicht im Internet “die” Gegenöffentlichkeit, die sich durch eine homogene Gegenmeinung zur öffentlichen Meinung positioniert. Vielmehr treffen viele unterschiedliche Meinungen aufeinander, die nicht unbedingt der öffentlichen Meinung widersprechen müssen. Die dezentralen Strukturen des Netzes weisen ebenso auf kaum eine Strukturierung dieser Öffentlichkeiten hin.

Wenn man sich mit dem Internet befasst, sollte man sich dieser dezentralen Strukturen klar werden. Sicherlich ist es löblich, dass DIE LINKE Konzept wie die Netzneutralität und den Schutz der Meinungsäußerungen im Internet gegenüber staatlichen Repressionen in ihr Programm aufgenommen hat. Nichtsdestotrotz sollte über diesen Gegenstand noch einmal nachgedacht werden.

Quellen/Leseempfehlungen:

Gerhards, J. (1998): Öffentlichkeit, in: Jarren, Otfried, Sarcinelli, U. & Saxer. U. (Hrsg.): Politische Kommunikation in der demokratischen Gesellschaft, Wiesbaden, S.268-274.

Stamm, K.-H. (1988): Alternative Öffentlichkeit. Die Erfahrungsproduktion neuer sozialer Bewegungen. Frankfurt a.M./New York.

Wimmer, J. (2007): (Gegen-)Öffentlichkeit in der Mediengesellschaft. Analyse eines medialen Spannungsverhältnisses. Wiesbaden: VS-Verlag für Sozialwissenschaften.

Liebes Fernsehen

Liebes Fernsehen,

wir hatten eine wahrlich schöne Zeit zusammen. Damals. Noch in den 1990ern. Als VIVA 2 prägend für meinen Musikgeschmack war und man MTV noch nicht von der Bettkante schubsen wollte. Ja, was haben wir uns zusammen gefreut, als die bunte Welt des Privatfernsehens zu uns kam! Wir sahen gemeinsam amerikanische Sitcoms und Cartoons. Waren bei jedem Blockbuster live am Schirm dabei! Auch den schlecht produzierten, aber meist lustigen Talk- und Gerichtsshows waren wir nicht abgeneigt. Bei dir und deinem großen Angebot habe ich mir alle wichtigen Informationen abholen können, um mein Leben lebenswert zu machen und mich im Alltag zurecht zu finden. Ja, liebes Fernsehen, wir haben eine Menge durchlebt. Du hast mir die Struktur für mein Leben gegeben. Nach deinen süßlichen Sendungen habe ich meinen Tagesablauf ausgerichtet.

Doch seit fast zwei Jahren sind wir getrennt. Aber eigentlich war unsere Beziehung schon seit längerem kaputt. Immer öfter habe ich dich mit dem Internet betrogen oder einfach das Leben außerhalb genossen. Nur noch ab und an hast Du als Pausenfüller hergehalten.

Aber liebes Fernsehen, ich muss sagen: ich vermisse dich keine Sekunde/Minute/Stunde/… meines Lebens! Denn Du machst wirklich ALLES, damit mir dieser Abschied nicht schwer fällt.

Herzlichst

F. J. Mediarina

Freies Internet? Zur Mediensituation in der Türkei

Der obligatorische cat content. (Istanbul)

Anfang Juli war ich zwecks einer größeren Konferenz in der Türkei, genauer in Istanbul. Und war überrascht. Natürlich gilt Istanbul als eine Metropole. Dennoch war ich fasziniert von dem freien sicheren Zugang zum Internet, den ich von fast jedem Platz dort hatte. Ich meine, wann hat man schon mal das Glück, in einem Hotel Deutschlands kostenfreien Internetzugang zu bekommen?

Doch die Freude um diesen Umstand hatte für mich einen faden Beigeschmack. Denn – so hieß es schon im Juli – plane die türkische Telekommunikationsbehörde BTK die Einführung eines Online-Filters bis Ende August. Aufgrund von Protesten und infolge von Gesprächen mit Bürgerrechtsgruppen lenkte die Regierung teilweise ein; verschob das Projekt auf den 22. Oktober. Dennoch handelt es sich um einen “Sieg” mit fadem Beigeschmack.

So meint Özgür Ucken, Dozent für Kommunikationswissenschaft an der Bilgi-Universität in Istanbul, dass “es (…) Anzeichen für Änderungen [gibt], aber keine bei unseren größten Bedenken.” Es bestehe immer noch ein zentral kontrolliertes Filtersystem, welches mit Zensur gleichzusetzen sei.

Leider hat es dieses Thema nicht mehr auf die Medienagenda der großen deutschen Zeitungen geschafft. In der Türkei scheint sich aber ein schleichender Prozess zu ergeben, dessen Ende ungewiss ist…

Kleine Spielerei – Wie ein Ereignis mediale Aufmerksamkeit bekommt

Versuch einer chronologischen Reihenfolge gegen 17 Uhr….

Tipps für Engagement
MUT Gegen Rechte Gewalt - ‎08.08.2011‎

Statement auf der Homepage und Presseerklärung
am 08.08. oder 09.08.2011

Facebook
‎Vor 7 Stunden‎

 “Trojanisches T-Shirt” auf Rechtsrockfestival in Gera geschmuggelt
Thüringische Landeszeitung - ‎Vor 7 Stunden‎

Twitter
‎Vor 7 Stunden

Facebook
…stetige steigende Anzahl von “Likes” und Kommentaren.

“… das kannst Du auch” : Trojaner-Hemden überlisten NPD
n-tv.de NACHRICHTEN - ‎Vor 2 Stunden‎

Deutsche Rechtsextreme mit T-Shirts überlistet
Kleine Zeitung - ‎Vor 2 Stunden‎

Aussteiger-Initiative schiebt Rechten “trojanische T-Shirts” unter
STERN.DE - ‎Vor 2 Stunden‎

Neonazis mit Trojaner-T-Shirts überlistet
Dnews - ‎Vor 2 Stunden‎

Thüringen: Neonazis mit Trojaner-T-Shirts überlistet
Mitteldeutsche Zeitung - ‎Vor 2 Stunden‎

“Trojanisches T-Shirt” auf Rechtsrockfestival in Gera geschmuggelt
Thüringer Allgemeine - ‎Vor 2 Stunden‎

Gera: Trojaner-T-Shirts auf Rechtsrockfestival
Tagesspiegel - ‎Vor 1 Stunde‎

Aktion der Aussteiger-Organisation Exit Wenn Neonazis Wäsche waschen
taz - ‎Vor 1 Stunde‎

Rechtsrock in Gera Trojanische T-Shirts gegen Nazis
news.de - ‎Vor 1 Stunde‎

“Trojaner Shirt” für Nazi-Aussteiger
W&V – Werben & Verkaufen - ‎Vor 52 Minuten‎

Saubere Aktion gegen NPD-Anhänger: Rechte lassen sich “Trojanische T-Shirts …
STERN.DE - ‎Vor 48 Minuten‎

Aussteigerinitiative “Exit” überlistet 250 Neonazis auf ihrer eigenen …
Berliner Umschau - ‎Vor 18 Minuten‎

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gegen 17 Uhr mittlerweile 3183 Verlinkungen auf den Originalrtikel bei Exit (+ 500 über Rene Walter)

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