Freies Internet? Zur Mediensituation in der Türkei

Der obligatorische cat content. (Istanbul)
Anfang Juli war ich zwecks einer größeren Konferenz in der Türkei, genauer in Istanbul. Und war überrascht. Natürlich gilt Istanbul als eine Metropole. Dennoch war ich fasziniert von dem freien sicheren Zugang zum Internet, den ich von fast jedem Platz dort hatte. Ich meine, wann hat man schon mal das Glück, in einem Hotel Deutschlands kostenfreien Internetzugang zu bekommen?
Doch die Freude um diesen Umstand hatte für mich einen faden Beigeschmack. Denn – so hieß es schon im Juli – plane die türkische Telekommunikationsbehörde BTK die Einführung eines Online-Filters bis Ende August. Aufgrund von Protesten und infolge von Gesprächen mit Bürgerrechtsgruppen lenkte die Regierung teilweise ein; verschob das Projekt auf den 22. Oktober. Dennoch handelt es sich um einen “Sieg” mit fadem Beigeschmack.
So meint Özgür Ucken, Dozent für Kommunikationswissenschaft an der Bilgi-Universität in Istanbul, dass “es (…) Anzeichen für Änderungen [gibt], aber keine bei unseren größten Bedenken.” Es bestehe immer noch ein zentral kontrolliertes Filtersystem, welches mit Zensur gleichzusetzen sei.
Leider hat es dieses Thema nicht mehr auf die Medienagenda der großen deutschen Zeitungen geschafft. In der Türkei scheint sich aber ein schleichender Prozess zu ergeben, dessen Ende ungewiss ist…